Turbulente Zeiten für das Girokonto

Das Jahr 2016 brachte für viele Girokontoinhaber vor allem höhere Gebühren mit sich.

Dass sich der Bankensektor in einem Wandel befindet, zeigt sich besonders deutlich am Girokonto. In den letzten Monaten hat sich rund um das Girokonto so einiges getan. Verbraucher werden vor allem durch immer höhere Gebühren zur Kasse gebeten. Nicht nur Kontoführungsgebühren werden erhöht, sondern auch bis dato kostenfreie Serviceleistungen.

Für viele Bankkunden war 2016 ein bewegendes Jahr, insbesondere gab es Überraschungen beim Girokonto. Der Wandel ist rasant, selbst im Jahr 2015 war noch nicht abzusehen, welche Entwicklungen das Jahr 2016 beinhalten würde. Andere Entwicklungen wiederum waren abzusehen. Beispielsweise die Umstellung auf „international bank account number“ (IBAN) bei Überweisungen. Seit dem 1. Februar vergangenen Jahres, müssen auch Privatpersonen bei Lastschriftverfahren und Überweisungen den 22-stelligen IBAN angeben. IBAN soll den Zahlungsverkehr im „ Single Europe Payments Area“ (kurz SEPA) vereinheitlichen. Seitdem bedeutet das für die meisten Verbraucher, dass sie bei jeder Transaktion erneut nachschauen müssen, wie ihre IBAN lautet. Doch nicht nur das, es gab noch weiteres woran sich Inhaber von Girokonten gewöhnen müssen.

Girokonto für Jedermann 

Erst einmal eine gute Nachricht für diejenigen denen es verwehrt geblieben ist bei einer Bank ein Girokonto zu eröffnen. Ende Februar vergangenen Jahres verabschiedete der Bundestag das Zahlungskontengesetz. Demnach hat jetzt jeder ein Recht auf ein Girokonto. Damit sollen vor allem Personen die verschuldet sind, Hartz 4 Empfängern, Personen ohne festen Wohnsitz und Asylsuchende geholfen werden, am Wirtschaftsleben teilnehmen zu können.

Das Gesetz ist seit 1. Juni 2016 in Kraft. Die Bundesregierung folgt damit einer EU-Richtlinie über den Wechsel und den Zugang von Zahlungskonten. Mit dem Erlass werden Banken gesetzlich dazu verpflichtet, jedem ein Girokonto zu eröffnen. Allerdings dürfen die Banken für dieses Girokonto Gebühren verlangen, denn das verbietet das Gesetz ihnen nicht. Einige Filialbanken erheben hohe Kontoführungsgebühren und für Überweisungen werden extra Entgelte verlangt. Währenddessen stellen viele Direktbanken ein kostenloses Konto zu Verfügung. Bei vielen Banken sieht jedoch der Bundesverband der Verbraucherzentrale noch Nachbesserungsbedarf und ermahnt sie, dass die Preisgestaltung in der Praxis oft mit den gesetzlichen Regelungen zum Basiskonto nicht vereinbar ist.

Kontowechsel leicht gemacht

Ein wesentlicher Punkt des neuen Zahlungskontengesetz ist auch, dass die Banken verpflichtet sind, eine Kontowechselhilfe zu leisten, wenn der Kunde das bisherige Girokonto kündigen möchte. Das alte sowie auch das neue Kreditinstitut müssen seit dem 18. September mit dem Kunden zusammenarbeiten, wenn er ein Wechseln des Kontos vorhat und dafür sorgen, dass dieser reibungslos durchgeführt wird.

Die bisherige Bank muss der neuen Bank sämtliche Informationen in Bezug auf Lastschriftverfahren und Daueraufträge des Kunden mitteilen. Das neue Institut, muss dann innerhalb 5 Werktage das Konto einrichten und die Zahlungspartner darüber informieren. Das Gesetz schreibt vor, dass dieser Umzug innerhalb von 12 Tagen durchgeführt werden muss.

Kontogebühren

Für viele Kontoinhaber dürfte es vergangenes Jahr vor allem einen Grund gegeben haben, das Konto zu wechseln: Höhere Gebühren. Wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase fallen den Banken die Erträge aus dem Kreditgeschäft weg. Außerdem müssen Kreditinstitute für hohe Einlagen bei der Zentralbank Geld zahlen, anstatt Zinsen zu erhalten. Für viele Banken ist das ein Anlass, anderswo an den Gebührenschrauben zu drehen. Zwar durften sich Kunden im vergangenen Jahr der niedrigen Zinsen erfreuen (sofern sie einen Kredit benötigten), aber sahen auch gleichzeitig, dass das Konto teurer wurde.

Eine Berechnung der Unternehmensberatung (BCG) ergab, dass ein Girokonto die Bank rund 120 Euro im Jahr kostet. Die Einnahmen aus dem Zahlungsverkehr, insbesondere dem Geldverleih blieben weitgehend zurück, dadurch wurde das Girokontogeschäft für viele Geldinstitute zum Verlust. Die oben angeführte Unternehmensberatung berechnete ebenfalls, dass durch Preise für Bankleistungen, also Gebühren für Girokonto die Banken bis zu 5 Milliarden Euro einnehmen könnten. Georg Fahrenschon, der künftige Präsident des deutschen Sparkassen und Giroverbandes, kündigte an, dass die Zeit der kostenlosen Girokonten vorbei sei.

Das ist der Grund warum besonders im Jahr 2016 viele Banken Gebühren für Girokonto einführten beziehungsweise eingeführte Gebühren erhoben haben. So hat im November die Postbank ein neues Konten- und Preismodell eingeführt. Das „Giro Plus“ für Postbankkunden war vorher kostenlos, wenn ein monatlicher Gehaltseingang von mindestens 1000 Euro einging. Jetzt sieht das anders aus, die Bank verlangt eine Gebühr von 3,90 Euro monatlich, egal in welchem Umfang der Geldeingang ist. Hinzu kommt, dass die Postbank ein Online-Konto „GiroDirekt“ einführte, dass monatlich 1,90 Euro kostet. Nur für Kunden unter 22 Jahre bleibt das „Giro Start direkt“ kostenlos und für Kunden mit einem monatlichen Gehaltseingang von 3000 Euro ist das „Giro extra Plus“ gratis.

Genauso hob die Hamburger Sparkasse die Gebühren für das „Girokonto klassisch“ an. Somit zahlt ein Kontoinhaber 47,40 Euro im Jahr, weil nicht mehr 2,95 Euro monatlich Gebühren anfallen, sondern nun 3,95 Euro. Auch die HypoVereinsbank hat im Juli ihr kostenloses Girokonto abgeschafft. Nur noch Schüler, Azubis und Studenten unter 26 Jahren erhalten dort ein kostenloses Konto, alle anderen Kunden zahlen eine Gebühr von 2,90 Euro im Monat.

Noch einen Schritt weiter geht die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee. Dieses Institut verlangt von ihren Kunden mit Giro oder Tagesgeldkonto eine Kontoführungsgebühr von 3,50 Euro monatlich und sogar von Kunden die mehr als 100.000 Euro Guthaben auf dem Konto nachweisen, einen Strafzins von 0,4 Prozent. Gratis Girokonten werden zwar immer weniger, verschwinden aber nicht völlig. Direktbanken bieten immer noch kostenlose Konten an. Ein Girokonto Vergleich ist daher unumgänglich.

Viele Girokonto- Leistungen nicht mehr gratis

Viele Banken gehen noch einen Schritt weiter und erhöhen nicht nur eine Gebühr für die Kontoführung, sondern führen auch neue Entgelte ein. Kunden bei den Sparkassen konnten sich bislang darauf verlassen, dass das Geldabheben mit der BankCard am Geldautomaten deutschlandweit kostenlos war. Für Kontoinhaber des „Giro Individual“ der Berliner Sparkasse hat sich das Anfang Dezember geändert. Jetzt zahlen sie 0,30 Euro für jede Abhebung am Automaten, genauso wie Online-Überweisungen.

Seit November vergangenen Jahres fällt bei der Hamburger Sparkasse beim „Giro klassisch“ ebenfalls pro Online-Überweisungen 0,05 EUR Gebühr an. Die Kasseler Sparkasse hat mit Beginn des neuen Jahres durch Kontomodellumstellung auch die Kontogebühr angehoben. Bei der „Giroklassik“ sind mindestens 2,90 Euro fällig und ab der sechsten Bargeldabhebung kostet jede weitere am Automaten 0,40 Euro. Das gilt ebenfalls für jede Online-Überweisung und jeder Kontogutschrift.

Das, womit gerade die Sparkassen immer wieder warben und als „Alleinstellungsmerkmal“ heraustellten, fällt immer mehr weg: Deutschlandweit kostenfrei Geld abheben – zumindest am Sparkassen Geldautomat. Welchen Vorteil haben Kunden bei der Sparkasse im Gegensatz zu Direktbanken?

App statt Filiale

Strafzinsen für Girokonten und Kontoführungsgebühren zeigen eine fast beängsitgende Entwicklung des vergangenen Jahres auf. Es sind bewegende Zeiten und ein Ruck geht durch das Privatkundengeschäft. Auf der anderen Seite muss man den Banken auch zugute halten, dass ihnen aufgrund er anhaltenden Niedrigzinsphase häufig gar nichts anderes übrig bleibt. Dazu kommt, dass die traditionellen Bankhäuser von einer neuen Konkurrenz unter Druck gesetzt werden.

Die sogenannten Fintechs werben mit sehr günstigem Onlinebanking angeboten. Seit dem Sommer 2015 bietet das Berliner Start-Up N26 eine Girokonto-App an. Kunden können dort auch mittlerweile einen Dispokredit nutzen. Da immer weniger Bankkunden den Weg in die Filiale finden wird auch das Filialnetz klassischer Geldhäuser immer teurer. Denn lieber tätigen Bankkunden ihre Geschäfte bequem online von zu Hause aus. Eine Studie der Postbank besagt, dass mittlerweile bereits 60 Prozent der Deutschen ihre Geschäfte im Internet erledigen.

Einer weiteren Umfrage zufolge, greift jeder Dritte mit dem Smartphone auf sein Konto zu. Daher bauen Banken ihr Online-Angebot aus und versuchen einerseits mit digitalen Service Kunden zu binden und andererseits Kosten zu senken. Einige Großsparkassen, darunter die Sparkassen München, Hamburg, Berlin und Köln haben Anfang Mai vergangenen Jahres angekündigt, eine Girokonto-App namens „Yumo“ anzubieten. Dies soll eine Alternative zu Smartphone Girokonten wie N26 werden, die besonders an junge Nutzer bis 35 Jahre gerichtet ist. Die App (Yumo) befindet sich noch in einer Test und Entwicklungsphase und wird eventuell im Jahr 2017 erhältlich sein.

Die Zukunft des Girokontos

Dieses Jahr werden die zentralen Themen die fortschreitende Digitalisierung und der Ausbau mobiler Angebote sein. Es wird interessant sein, ob die großen Filialbanken es schaffen werden, ihre Geschäftsfelder so umzubauen, dass sie dem Druck beider Seiten standhalten können. Auf der einen Seite wirkt die starke Konkurrenz, auf der anderen Seite die Niedrigzinsphase. Wie wird sich das auf die Besitzer von Girokonten auswirken? Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Banken weitere Möglichkeiten finden werden um für das Girokonto weitere Gebühren zu erheben. Vielleicht nicht unbedingt direkt die Kontoführungsgebühren, sondern Sonderleistungen. Wahrscheinlich werden Verbraucher sich auch in 2017 auf erhöhte Kontoführungsgebühren einstellen müssen.

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